"Angefangen" hat alles damit, dass ich Silvester in London verbracht hatte, was mal wieder eine super Erfahrung war und mich sehr an das Hostelleben in Australien erinnert hat. War mit zwei Freundinnen dort und wir haben im Hostel sehr viele tolle neue Leute aus aller Welt kennengelernt, Franzosen, Chilener, Italiener und Brasilianer, etc. etc. und irgendwie hab' ich das Gefühl, dass ich nur im Ausland und mit ner anderen Sprache wirklich das Beste oder Glücklichste aus mir rausholen kann. Ich war ja immer eigentlich ziemlich schüchtern, hab mich 'ne Zeit lang nichtmal getraut, Leute auf der Straße nach der Uhrzeit zu fragen, da hat mir Australien schon echt gut getan, und dann konnte ich meine "social skills" eben mal wieder anwenden.
Wie dem auch sei, die Woche in London war super und hat mich ins Grübeln gebracht in dieser Nacht um 12 Uhr. Derzeit habe ich meine erste eigene Wohnung, im Haus meiner Mutter und meines Stiefvaters 'nen festen zweiten Wohnsitz, und wenn ich meine Ausbildung hier in dieser Kleinstadt bestanden haben sollte und an einer Uni explizit für Musical einen Studienplatz bekommen sollte, würde mein eigentlicher Traum in Erfüllung gehen - auf einer Bühne stehen, Leute unterhalten, verzaubern und Applaus und Anerkennung zu erhalten.
Aber,
was, wenn ichs wirklich durchziehe? Ich werde in dem Job wahrscheinlich nie einen festen Wohnsitz haben, dennoch hauptsächlich in Deutschland unterwegs sein, weil ich kein Ausnahmetalent bin. Kaum genug Geld zum Leben haben und dann noch meine Bafög-Schulden zurückzahlen müssen. Irgendwann, wenn meine Eltern sterben sollten, wo soll ich dann meine ganzen "Wertsachen", wie Spielzeuge oder Sachen aus meiner Kindheit oder die Sachen meines Vaters verstauen? So viele Fragen und so wenig Antworten.
Aber obwohl ein Leben auf der Bühne mein Traum wäre, hab ich einen, der größer ist als Alles andere, was mir London mal wieder gezeigt hat: DAS AUSLAND! Wenn ich eins weiß, dann ist's das, dass ich hier weg will. Deutschland hat mir viel gegeben aber jetzt ist's auch genug und ich will hier weg, ich will raus, ich will neue Menschen, neue Lebenseinstellungen, neue Erfahrungen und die tollsten Leute lernt man meiner Meinung nach einfach beim Reisen kennen, beziehungsweise ging's mir bis jetzt immer so.
Aber wo soll ich hin? Wie soll ich da hin? Soll ich einfach IRGENDWAS studieren, damit ich 'n paar Auslandssemester bekomme und dann irgendwie mich dort einbürgern? Dann bin ich aber wieder an einen Ort gebunden! Und wie soll ich das alles ZAHLEN? Soll ich mir einfach jedes Jahr 'nen neuen Job in Deutschland suchen für 9 Monate, alles sparen und dann 3 Monate jedes Jahr reisen? Aber das is' mir auch nicht genug und dann bleibt wieder die Frage nach meinen Wertsachen... Soll ich auf 'ne Hotelfachschule? Aber da bin ich dann auch immer in Hotels und nie in der wahren Kultur eines Landes, oder? Hab' auch schon überlegt, ob ich einfach mein eigenes Unternehmen oder 'ne Firma oder 'ne Website gründe, aber hab voll all dem einfach zu wenig Ahnung und in Wirtschaft bin ich mega der Loser. Was mich auch davon abhält, 3 Sprachen oder so zu lernen, was mir prinzipiell glaube ich leicht fallen würde, aber ohne BWL gekoppelt zu 'nem Sprachstudium verdient man auch wieder nichts ergo kein Geld zum Reisen ergo ICH SITZ' WIEDER HIER FEST!
Der Gedankenstrang hatte bzw. hat einfach kein Ende und keine Antworten. Es gibt noch mehr in meinem Kopf, natürlich die endlose Frage und Hoffnung nach Liebe, ob und wann ich jemanden finde, der mich täglich fasziniert und verzaubert und der mir noch viel beibringt und es liebt, an meiner Seite zu sein. Doch was, wenn ich den gefunden hab, wir heiraten, Kinder kriegen => wieder kein Ausland? Was, wenn meine Kinder behindert sind und mein Mann mich verlässt, was, wenn ich keine Kinder kriegen kann, was, wenn ich die tollsten Kinder der Welt kriege und einfach eine scheiß Mutter werde?
- ZU VIELE GEDANKEN -
Wollte das einfach mal loswerden, vielleicht geht's ja irgendwem da draußen genauso und derjenige fühlt sich jetzt nichtmehr ganz so allein mit der Eskalation seiner Gedanken. Dass es mir mit 19 schon so geht, wer hätte das gedacht, haha. Aber ich denk', uns geht's allen irgendwo so. Ich muss nur aufhören, mir so 'nen Kopf drüber zu machen.
Einatmen.
Ausatmen.
Aufhören.
Loslassen.
Hoffen!